Aerogel Matten vs. Aerogel Granulat – wann eignet sich welches Material?

March 6, 2026
2-3 Min Lesezeit
VOLTH Materials Team

Aerogel Matten vs. Aerogel Granulat – wann eignet sich welches Material?

Technische Entscheider, Planer und Projektleiter in der Industrie ringen oft mit der Wahl des optimalen Dämmmaterials, wenn Platz knapp ist und höchste thermische Effizienz gefordert wird. Aerogel Matten und Aerogel Granulat bieten beide nanoporöse Strukturen mit extrem niedrigen Wärmeleitfähigkeiten, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Form, Handhabung und Einsatzmöglichkeiten. Dieser praxisnahe Vergleich hilft, basierend auf technischen Daten und industriellen Anforderungen die passende Lösung zu finden – ohne Verkaufsdruck, rein als Entscheidungsgrundlage.​

Technische Grundlagen

Aerogel basiert auf einer Gelstruktur, deren Flüssigphase durch Gas ersetzt wird, was zu über 90% Luftanteil und Nanoporendurchmessern führt. Dadurch sinkt die Wärmeübertragung durch Gasleitung, Konvektion und Strahlung auf Werte von 0,014 bis 0,021 W/(m·K). Aerogel Matten integrieren Silikat-Aerogelpartikel in flexible Vlies- oder Glasfasermatten mit Dicken von –12mm und Dichten von 130–350 kg/m³, was sie biegsam und druckfest (acht. Aerogel Granulat hingegen liegt als loses Pulver oder Körner (0–4 mm) vor, mit einer Rohdichte von 60–80 kg/m³ nach Einblasung, und ist besonders für Füllungen optimiert.​

Beide Varianten sind hydrophob, nicht brennbar (A1) und temperaturbeständig bis 600 °C, übertreffen Mineralwolle (0,035–0,040 W/(m·K)) bei Weitem und eignen sich für raue Industriebedingungen. Matten punkten mit mechanischer Stabilität und Flexibilität bei Kryotemperaturen, Granulat mit einfacher Auffüllung und diffusionsoffenem Verhalten (µ=2–3).​

Vergleich: Eigenschaften und Montage

Aerogel Matten lassen sich mit Schere oder Messer zuschneiden und direkt auf Rohren, Ventilen oder Flächen kleben – ideal für präzise, sichtbare Anwendungen ohne Kontraktionsfugen. Sie bleiben bei -200 °C flexibel und bieten zusätzlichen Schallschutz sowie Schutz vor Korrosion unter Isolierung (CUI). Nachteile sind höhere Kosten bei großen Flächen und Staubentwicklung beim Bearbeiten, weshalb Atemschutz empfohlen wird.​

Aerogel Granulat wird pneumatisch durch kleine Öffnungen in Hohlräume eingeblasen, ermöglicht nachträgliche Dämmung ohne Demontage und füllt Lücken ab 1,5–2 cm effektiv aus. Es ist wasserabweisend, schimmelresistent und eignet sich für enge Räume wie Mantelrohre oder Fingerspalten. Grenzen liegen in der mechanischen Schwäche, möglicher Ungleichmäßigkeit bei Dichte und Eignung für dynamische Belastungen.​

Im direkten Vergleich haben Matten etwas bessere Wärmedämmwerte (0,014–0,017 W/(m·K)) und höhere Dichte, während Granulat (0,018–0,021 W/(m·K)) leichter und volumenschonender ist. Matten sparen Montagezeit bei Neubauten, Granulat Umbauaufwand bei Sanierungen.​

Typische Use-Cases

In Chemieanlagen mit Prozessrohren von -50 bis +200 °C wählen Entscheider Aerogel Matten: Sie wickeln sich flexibel um komplexe Geometrien, reduzieren Dicken um 50% gegenüber Steinwolle und verhindern CUI durch Wasserdampfdiffusionssperre. Granulat wäre hier unpraktikabel, da keine Hohlräume vorhanden sind.​

Für kryogene LNG-Tanks oder Verflüssigeranlagen sind Matten Standard. Sie erfüllen UL 1709 (120 min Jet-Fire bei 60 mm), dämmen Schall und halbiert Montagezeiten durch Biegsamkeit bei -200 °C. Granulat findet hier selten Anwendung, da präzise Dampfsperren gefordert sind.​

Bei nachträglicher Dämmung enger Hohlräume in Industriehallen, Data-Centern oder Autozulieferer-Gebäuden glänzt Aerogel Granulat. Eingeblasen durch Bohrlöcher erzielt es U-Werte wie 10 cm Mineralwolle, ohne Produktionsstillstand. Matten scheitern an fehlendem Zugang.​

In Raffinerien für Hochtemperatur-Leitungen (bis 250 °C) kombinieren Planer oft Matten außen mit Granulat in Mantelrohren – Matten für Flexibilität, Granulat für Innenfüllung. Bei Batteriegehäusen oder Mikroelektronik schützen Matten präzise Komponenten, Granulat füllt Gehäuselücken.​

Entscheidungshilfe

Priorisieren Sie Aerogel Matten bei flexiblen, zugänglichen Flächen mit extremen Temperaturschwankungen (Kryo bis Hochtemperatur), wo Schallschutz, Brandsicherheit und schnelle Montage zählen – vor allem in Neubau oder Wartung von Rohrsystemen. Wählen Sie Granulat für unzugängliche Hohlräume, nachträgliche Sanierungen oder minimale Eingriffe, wo diffusionsoffene, platzsparende Füllungen gefragt sind.​

Berücksichtigen Sie Gesamtkosten: Matten amortisieren durch Langlebigkeit und geringere Dicken, Granulat durch Einsparung von Demontage. Validieren Sie per Prototyp unter Betriebsbedingungen Dichte, Feuchtigkeit und mechanische Stabilität. Bei hohen Anforderungen an Präzision und Dynamik siegen Matten; für Hohlräume und Retrofits Granulat. Die Geometrie, Zugänglichkeit und Budget entscheiden letztlich – beide überlegen konventionellen Stoffen bei Platzmangel.

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